Auswirkungen des Klimawandels auf Nutzpflanzen: Extremereignisse bisher wenig untersucht

Beeinflussung der Wachstumsprozesse, Verringerung der Photosyntheseleistung u.a.

Der Klimawandel kann - auch wenn die Abschätzung seiner Folgen mit Unsicherheit verbunden ist - anhand verschiedener Parameter wie Temperatur, Niederschlagsmenge und -häufigkeit oder Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre gemessen werden. In seinem Vortrag anlässlich des Nord LB-Forums am 30. Oktober 2007 in Magdeburg zeigte Professor Hans Weigel von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode unter anderem auf, welche Auswirkungen der Temperaturanstieg auf landwirtschaftliche Nutzpflanzen und Anbausysteme hat. Steigen die Durchschnittstemperaturen nur wenig an, kann dies zu einer Wachstumsstimulation und einer Verlängerung der Vegetationsperiode führen. Je nach Empfindlichkeit der Pflanzenarten ist jedoch auch umgekehrt mit einer Verkürzung von einzelnen Wachstumsphasen zu rechnen. Sensible Wachstumsprozesse werden dann negativ beeinflusst. Beispielsweise führt eine Temperaturerhöhung um ein Grad Celsius in der Kornfüllungsphase von Weizen zu fünf Prozent Minderertrag. Bei einer deutlichen Erwärmung verringern sich außerdem die Photosyntheseleistung und die Atmung der Nutzpflanzen. Schließlich kann es auch zu Trockenstress kommen. Nimmt der CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu, erhöht sich zunächst die Photosyntheseleistung der Pflanzen, die Transpiration nimmt jedoch eher ab. Bei Weizen beispielsweise sind Ertragszunahmen von 19 bis 27 Prozent gemessen worden, wenn die Kohlendoxid-Konzentration in der Luft auf 550 ppm erhöht wurde. Derzeit beträgt die CO2-Konzentration in der Luft circa 381 ppm entsprechend 0,0381 Prozent und damit bereits deutlich mehr als die circa 280 ppm im Durchschnitt der letzten 400 000 Jahre. Generell ist die Unsicherheit von Ertragsprognosen laut Weigel jedoch sehr groß. Dies liegt auch daran, dass sich die aktuellen Forschungsergebnisse weitgehend auf Mittelwerte stützen und der Einfluss von Extremereignissen, deren Häufigkeit deutlich zunehmen wird, bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist.

GastautorIn: Dr. Martin Heil, aid für oekonews.
Artikel Online geschaltet von: / Doris Holler /